Klinik für Chirurgie und Thoraxchirurgie

PD Dr. med. Paul Schneider, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und Thoraxchirurgie der DRK Kliniken Berlin | Mitte
DRK Kliniken Berlin

4.6.1 Behandlung des Pneumothorax (Lungenkollaps)

Tritt Luft in den Spaltraum zwischen Rippenfell und Lunge, dann fällt die Lunge zusammen. Man nennt diesen Zustand Lungenkollaps oder Pneumothorax

Was ist ein Pneumothorax?

Die Lunge haftet normalerweise durch einen dünnen Flüssigkeitsfilm am Rippenfell. Kommt nun aus irgend einem Grund Luft in den Spaltraum zwischen Rippenfell und Lunge, kann die Lunge nicht mehr an der Brustwand haften und fällt zusammen. Man nennt diesen Zustand Lungenkollaps oder Pneumothorax.

Welche Ursachen hat ein Pneumothorax?

Die Luft kann von außen in den Brustraum eindringen, wenn z. B. eine Stichverletzung vorliegt. Durch eine stumpfe Verletzung des Brustkorbs (z. B. Sturz) kann eine gebrochene Rippe die Lungenoberfläche einreißen. Dies führt zum Austritt von Luft aus der Lunge und zum Kollaps. Auch durch ärztliche Maßnahmen wie z. B. Punktionen kann es zu einer Verletzung der Lungenoberfläche mit Pneumothorax kommen.

Auch ohne Verletzung kann es zur Ausbildung eines sogenannten „Spontanpneumothorax“ kommen. Die Ursache sind hier angeborene Schwachstellen der Lungenoberfläche, die spontan einreißen können. Meist handelt es sich um Blasen an der Lungenspitze. Hiervon sind meist jüngere Menschen mit schlankem, großwüchsigem Körperbau betroffen.

Welche Symptome können auf einen Pneumothorax hindeuten?

Nach Verletzungen des Brustkorbes treten Schmerzen mit Atemnot auf. Unter der Haut kann es zu Luftansammlung im Gewebe kommen mit typischem Knistern bei der Untersuchung.

Beim Spontanpneumothorax steht meist ein plötzlich eintretender Schmerz in einer Brustseite mit mehr oder weniger ausgeprägter Atemnot im Vordergrund.

Welche Untersuchungsmethoden werden bei Verdacht auf Pneumothorax zur Abklärung eingesetzt?

Die körperliche Untersuchung mit dem Abhören der Lunge ist oft schon wegweisend. Röntgenbilder des Brustkorbes sind beweisend für die Diagnose.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

1. nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten

Besteht nur eine schmale Ablösung der Lunge von der Brustwand (1–2cm), ist eine beobachtende Haltung möglich. Bleibt in den Röntgenkontrollen der Befund konstant, so handelt es sich um eine sehr kleine Verletzung der Lungenoberfläche, die sich von selbst geschlossen hat. Die Luft resorbiert sich im Laufe der Zeit.

2. Operationsverfahren

Meistens liegt jedoch eine größere Ablösung der Lunge vor. Hier muss in jedem Fall als Erstmaßnahme ein Drainageschlauch in den Brustkorb eingelegt werden. Die Luft wird abgesaugt und die Lunge dehnt sich wieder aus. Dieser kleine Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung. Der Drainageschlauch verbleibt für einige Tage bis die Verletzung der Lunge abgeheilt ist.

Handelt es sich um einen Spontanpneumothorax, kann häufig die alleinige Einlage einer Drainage ausreichen sein, um die Lunge wieder auszudehnen. Die Ursachen, also die angeborenen Schwachstellen der Lungenoberfläche, sind damit jedoch nicht beseitigt.

Es besteht gerade bei jungen Menschen die Gefahr, dass es zu einem späteren Zeitpunkt erneut zum Spontanpneumothorax kommt. Daher sollte die meist blasig veränderte Lungenspitze entfernt werden. Zusätzlich wird das Rippenfell aufgeraut oder teilweise entfernt. Dadurch verwächst die Lunge mit dem Rippenfell. Eine Ablösung der Lunge kann somit nicht mehr auftreten.

Dieser Eingriff wird videothorakoskopisch (Schlüssellochtechnik) in Vollnarkose über zwei kleine Schnitte durchgeführt und dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Kann man sich nach der Operation wieder körperlich belasten?

Nach der Operation ist eine körperliche Schonung für zwei Wochen angezeigt. Danach sind keine Einschränkungen notwendig. Die Lungenkapazität verschlechtert sich nicht durch die Operation!

Nachsorge

Die Erfolgsraten nach Operation eines Spontanpneumothorax werden mit 95% angegeben. Ein erneutes Auftreten eines Spontanpneumothorax auf der operierten Seite ist daher sehr unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen. Bei Veranlagung kann es aber auch zu einem Spontanpneumothorax der Gegenseite kommen. Bei auftretenden Beschwerden sollte daher frühzeitig an diese Möglichkeit gedacht werden. Eine spezielle Nachsorge ist jedoch nicht erforderlich.

Wie ist der organisatorische Ablauf?

Ein Pneumothorax tritt immer unerwartet auf. Sollten Sie betroffen sein, können Sie jederzeit unsere Erste Hilfe aufsuchen. Sie können sich auch in unserer Thoraxchirurgischen Sprechstunde vorstellen und sich beraten lassen. Ihr behandelnder Arzt kann auch direkt Kontakt mit uns aufnehmen und ein Aufnahmetermin vereinbaren.

Haben Sie noch Fragen?

Die beantworten wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch.