Klinik für Chirurgie und Thoraxchirurgie

PD Dr. med. Paul Schneider, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und Thoraxchirurgie der DRK Kliniken Berlin | Mitte
DRK Kliniken Berlin

4.2.1 Lungenmetastasen

Bösartige Tumoren können Metastasen (Tochtergeschwülste) setzen. Aus dem Tumor gelangen über den Blutweg oder über die Lymphbahnen einzelne Zellen in andere Organe. Die Lunge ist dabei häufig betroffen.

Grundlagen

LungenmetastasenNeben der Lunge sind die Leber, die Knochen, die Nebennieren und das Gehirn weitere Orte, an denen sich häufig Metastasen absetzen.

Besonders häufig kommt dies bei folgenden Tumoren vor: Nierenzellkrebs, Tumoren aus dem Hals- und Kopfbereich, Dickdarm- und Enddarmkrebs, Hodenkrebs, Knochenkrebs, Hautkrebs.

Eine chirurgische Entfernung von Lungenmetastasen erscheint nur dann sinnvoll, wenn am Ort des Ersttumors (Primärtumor) kein erneutes Tumorwachstum besteht.

Ebenso sollten keine zusätzlichen Metastasen in anderen Organsystemen bestehen.

Falls es sich um Metastasen von Tumoren handelt, die gut auf Chemotherapie ansprechen (z. B. Hodentumoren, Knochentumoren, Brustkrebs), sollte zunächst diese Therapie erfolgen. Chirurgisch können dann eventuell verbliebene Metastasenreste entfernt werden.

Leitbeschwerden

Lungenmetastasen werden meistens im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen auf Röntgenbildern entdeckt, ohne dass der Patient Symptome aufweist. Sie zeigen sich meist als rundliche Schatten (Rundherd) im Lungenmantel.

Sie können auch in den zentralen Bronchien wachsen und dort zu Komplikationen führen (Bronchusverschluss, Blutung).

Schmerzen im Brustbereich können auf ein Einwachsen in die Rippen hinweisen.

Beim Auftreten folgender Symptome sollte der Patient dringend seinen Arzt aufsuchen:

Derartige Beschwerden sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Röntgenbilder und eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) sind leicht durchführbar und können Klärung verschaffen.

Erforderliche Untersuchungen

Untersuchungen sollen vor einer eventuellen Operation folgende Fragen klären:

Die körperliche Untersuchung und ein ausführliches Aufnahmegespräch stehen am Anfang jeder Abklärung.

Röntgenbilder inklusive einer Computertomographie der Lunge geben Auskunft über Lage und Größe der Metastasen.

Mit einem flexiblen Glasfaserkabel (Bronchoskopie) werden Luftröhre und Bronchien gespiegelt. So kann beurteilt werden, ob auch in den Bronchien Metastasen wachsen. Eventuell kann auch Gewebe für eine mikroskopische Untersuchung gewonnen werden.

Die Region des Ersttumors wird untersucht. Z. B. muss bei Dickdarmtumoren eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) und eine Computertomographie des Bauchraumes durchgeführt werden.

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchraumes soll verborgene Tochtergeschwülste aufspüren.

Mit speziellen, sehr schwach radioaktiven Substanzen kann in den Knochen nach weiteren Metastasen gefahndet werden (Szintigraphie)

Auch im Gehirn wird nach Metastasen gesucht.

Im Blut wird die Nieren- und Leberfunktion, die Gerinnung und die Blutbildung geprüft. Daneben wird auch nach sogenannten Tumormarkern gesucht, die bei bösartigen Tumoren erhöht sein können.

Mit speziellen Geräten wird die Lungen- und Herzfunktion gemessen.

Die Vorbereitung auf eine Operation erfordert eine enge Zusammenarbeit von Patient und dem betreuenden Team aus Ärzten, Pflegekräften und Krankengymnasten.

Konservative (nicht-operative) Behandlungsmöglichkeiten

Nach Diagnosestellung von Lungenmetastasen muss gemeinsam mit internistischen Tumorspezialisten und eventuell mit Strahlentherapeuten geklärt werden, welche Therapie für den Patienten die besten Chancen bietet. Die enge Kooperation der verschiedenen Fachdisziplinen ist hier die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Eine medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) kommt vor allem bei bestimmten Tumormetastasen in Betracht (Hodenkrebs, Knochenkrebs Brustkrebs).

Falls aufgrund der Ausdehnung keine operative Entfernung der Metastasen möglich ist, können Metastasen in den zentralen Atemwegen (Bronchien, Luftröhre) mit dem Laser oder anderen bronchoskopischen Methoden abgetragen werden (Interventionelle Bronchologie). So kann ein Verschluss der Bronchien verhindert werden.

Operationsverfahren

Lungenmetastase mit Klammergerät entferntDie operative, komplette Entfernung der Metastasen bietet die besten Chancen, das Tumorleiden zurückzudrängen.

Ziel der Operation ist es, die Metastasen mit einem Sicherheitsabstand gesunden Gewebes zu entfernen. Zusätzlich werden die regionalen Lymphknoten der Lunge entfernt. Die einzelnen Metastasenherde werden mit speziellen Klammernahtgeräten keilförmig aus dem Lungengewebe herausgeschnitten. Die Entfernung eines Lungenlappens kann bei sehr großen Metastasen erforderlich sein.

Auch der Laser kann nützlich sein, wenn viele Metastasen vorhanden sind.

Lungenmetastase mit dem Lungenlaser entfernt

In besonderen Fällen ist es auch möglich, die Entfernung einzelner Herde mit Schlüssellochtechnik durchzuführen (Minimalinvasive Chirurgie). Der Eingriff ist für die Patienten weniger belastend, weil auf einen großen, schmerzhaften Schnitt verzichtet werden kann.

Operationsdauer: 1 bis 3 Stunden

Stationäre Behandlung nach der Operation

Zu Sicherheit wird der Patient auf der Intensivstation zumindest für eine Nacht überwacht.

Nach der Operation ist vor allem die intensive Atemtherapie wichtig, um Schleim abzuhusten und die Lungenfunktion wieder zu normalisieren.

Von großer Bedeutung ist eine ausreichende Schmerztherapie. Hierzu werden unter anderem auch spezielle Schmerzkatheter (Periduralkatheter) im Bereich der Rückenmarks eingesetzt.

Dauer des stationären Aufenthalts: 8 bis 14 Tage

Nachbehandlung

Nach Abschluss der chirurgischen Behandlung ist ein Kuraufenthalt (Anschlussheilbehandlung) in einer spezialisierten Kurklinik sinnvoll aber nicht zwingend notwendig.

In besonderen Fällen, z. B. bei Hodentumoren, kann eine weitere Chemotherapie angezeigt sein.

Nachsorge

Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen soll zum einen ein Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidivtumor, Metastasen) frühzeitig erkannt werden. Zum anderen sollen eventuelle Folgeerscheinungen der Operation (z. B. Schmerzen) therapiert werden.

Im günstigsten Fall koordiniert der Hausarzt die notwendigen Kontrolluntersuchungen. Dies sind vor allem Röntgenbilder der Lunge, Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes, Computertomographien, Bronchoskopien und Blutuntersuchungen

Die speziellen Nachsorgeuntersuchungen für den Ersttumor müssen ebenso fortgeführt werden.